Interpellation Nr. 19 Tobias Christ betreffend Digitalisierung im Gesundheitswesen – Auswirkungen der Auswahl des neuen Klinikinformationssystems (KIS) des Universitätsspital Basel (USB) Auswirkungen auf die Gesundheitsregion Basel

Medienmitteilung

Interpellation Nr. 19 Tobias Christ betreffend Digitalisierung im Gesundheitswesen – Auswirkungen der Auswahl des neuen Klinikinformationssystems (KIS) des Universitätsspital Basel (USB) Auswirkungen auf die Gesundheitsregion Basel

In der Beantwortung der «Interpellation Tobias Christ betreffend Digitalisierung im Gesundheitswesen –
Plattformbasierte Applikationen für die Gesundheitsregion Basel anstatt teure Softwarebeschaffung für einzelne
Spitäler» 1) hält der Regierungsrat zwar fest, dass die Wahl eines KIS «in erster Linie ein betrieblicher Entscheid
des USB» sei. Jedoch zeigen diverse Beispiele, namentlich in den Kantonen Bern 2) und Waadt 3), dass die Wahl
des KIS eines Universitätsspitals einerseits grossen Einfluss auf die Digitalisierung der gesamten
Gesundheitsregion und andererseits gewichtige finanzielle Implikationen hat.


Ende 2024 hat das Universitätsspital Basel die Ausschreibung für ein neues KIS abgebrochen 4). Die Situation
werde noch einmal analysiert und das bestehende System für die nächsten Jahre vorerst weiterverwendet, eine
freihändige Vergabe des KIS oder ein Wechsel zum US-amerikanischen Anbieter Epic sei nicht geplant. 5)
Gleichzeitig wurde eine Datenplattform mit offenen Standards angeschafft 6), was aus Sicht des Interpellanten sehr
zu begrüssen ist. In der Zwischenzeit wurde in Luzern (LUKS) und am Inselspital Bern Epic eingeführt. Das
Universitätsspital Zürich (USZ) und das Universitätsspital Lausanne (CHUV) haben sich 2025 ebenfalls für Epic
entschieden. Neben den hohen Kosten steht Epic insbesondere wegen der Risiken, die sich aus der Abhängigkeit
von einem amerikanischen Anbieter ergeben, in der Kritik 7) 8). Epic verwendet proprietäre Datenmodelle, welche
nicht auf offenen Standards basieren.


Dass einheitliche Standards der Gesundheitsdaten für die Digitalisierung des Gesundheitssystems eine
Voraussetzung sind, ist unbestritten und durch das Programm DigiSanté explizit gemacht. Gemäss Paket 1
«Voraussetzungen für die digitale Transformation» braucht es interoperable Systeme, einheitliche Standards und
sichere Strukturen 9). Auch die vom Spitalverband H+ in Auftrag gegebene daten- und erfahrungsbasierten
Analyse zu den Zukunftsperspektiven für die Spitallandschaft Schweiz fordert die Einführung von nationalen
Interoperabilitätsstandards 10). Offene Standards für Datenformate sind den proprietären Standards vorzuziehen
und unterstützen dadurch die Digitale Souveränität 11).


Der Kanton Basel-Stadt bekennt sich offiziell zu offenen Standards in der Gesundheitsversorgung. Im
Legislaturplan 2025-2029 des Regierungsrats 12) wird der Aufbau einer plattformbasierten Dateninfrastruktur zur
standardisierten und sicheren Erhebung sowie Nutzung von Gesundheitsdaten als Massnahme gelistet. Zudem
sind Datenaustauschplattformern, gemeinsame Standards, Anschlussfähigkeit und Data Governance in der
Digitalisierungs- und der Datenstrategie des Kantons verankert 13) 14). Als Eigner hat der Kanton die Digitalisierung
und Innovation zugunsten der Gesundheitsregion als Ziel in der Eignerstrategie 15) des USB festgehalten.


Die Einführung eines proprietären Systems wie Epic führt dazu, dass die gesamte Gesundheitsregion auf das
gleiche System wechseln müsste, um die Interoperabilität mit vertretbarem Aufwand sicherzustellen. Im Kanton
Bern wurde deshalb im Nachgang zum KIS-Entscheid des Inselspitals ein Gesetzesentwurf 16) in die
Vernehmlassung gegeben, welcher Listenspitäler dazu verpflichten kann, sich der gewählten digitalen
Gesundheitsplattform (Epic) anzuschliessen. Dies zeigt, dass die Auswahl des KIS eines Universitätsspitals einen
grossen Einfluss auf die gesamte Gesundheitsregion hat und somit dieser Entscheid im Interesse der
Bevölkerung getroffen werden muss. Nicht zuletzt widerspricht ein geschlossenes, proprietäres System den
Grundsätzen von DigiSanté und den strategischen Zielen des Kantons. Die intransparente Auskunft über die
Implementierungskosten von Epic am Inselspital sowie der Gesetzesentwurf für die verpflichtende Ausweitung
auf die Listenspitäler im Kanton Bern hat dazu geführt, dass sogar eine parlamentarische Untersuchung zur
Einführung von Epic gefordert wurde 17).


Um die Digitalisierung und Interoperabilität des Gesundheitssystems zu ermöglichen, müssen die IT-Systeme der
Leistungserbringer mit einer Gesundheitsplattform verbunden sein 18). Erfahrungswerte aus besser digitalisierten
Gesundheitssystemen wie in Dänemark oder Finnland zeigen19, dass die Implementierung und Integration von
Epic mit enormen Kosten verbunden ist.


In diesem Zusammenhang wird der Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen ersucht:


1. Was ist der Stand der KIS-Beschaffung des USB? Welche KIS werden evaluiert? In welchem Zeitrahmen
soll das bestehende System ersetzt werden?


2. Ist sich die Regierung der grossen politischen Tragweite des KIS-Entscheids des USB bewusst und ist sie
entsprechend angemessen in den Evaluations- und Entscheidungsprozess involviert?


3. Ist die beschaffte offene Datenplattform am USB etabliert und spielt sie eine Rolle bei der Digitalisierung
des Gesundheitssystems des Kantons Basel-Stadt? Inwiefern wird der Anschluss an die vom USB
beschaffte Plattform in der Evaluation eines neuen KIS berücksichtigt?


4. Inwiefern wird die Interoperabilität mit anderen Dienstleistern der Gesundheitsregion berücksichtigt?


5. Inwiefern wir die digitale Souveränität berücksichtigt?


6. Inwiefern beeinflusst das KIS des kürzlich akquirierten Clara-Spitals den KIS-Entscheid?


7. Wie wird gewährleistet, dass die strategischen Ziele und Massnahmen von DigiSanté und vom Kanton
Basel-Stadt unterstützt werden?


8. Was hätte eine Implementierung von einem geschlossenen proprietären System (wie z.B. Epic) am USB
für Auswirkungen auf die Gesundheitsregion Basel in Bezug auf Interoperabilität und Kosten?


9. Gibt es Alternativen zu geschlossenen proprietären Systemen, welche die fachlichen Anforderungen eines
Universitätsspitals ebenfalls erfüllen, die Interoperabilität in der Gesundheitsregion Basel und darüber
hinaus mit dem geplanten Schweizer Gesundheitsdatenraum von DigiSanté ermöglichen und die digitale
Souveränität gewährleisten?

 

Tobias Christ

 

1 ) https://grosserrat.bs.ch/ratsbetrieb/geschaefte/200112318
2 ) https://www.medinside.ch/kritik-an-berns-digitaler-gesundheitsplattform-20251017
3 ) https://www.medinside.ch/nach-luzern,-zuerich-und-bern-auch-der-kanton-waadt-will-epic-20251120
4 ) https://www.unispital-basel.ch/newscenter/newsblog/02-12-2024
5 ) https://www.inside-it.ch/unispital-basel-bricht-kis-beschaffung-ab-20241202
6 ) https://www.netzwoche.ch/news/2025-02-11/universitaetsspital-basel-plant-neue-datenplattform
7 ) https://www.inside-it.ch/waadtlaender-spitaeler-zahlen-176-millionen-fuer-epic-20260108
8 ) https://www.nzz.ch/zuerich/unispital-zuerich-setzt-auf-gleiches-us-system-wie-bern-dort-sorgen-versteckte-kosten-gerade-fuer-eine-boese-
ueberraschung-ld.1924665
9 ) https://www.digisante.admin.ch/de/vier-massnahmenpakete
10 ) PwC Studie Zukunftsperspektiven für die Spitallandschaft Schweiz.pdf
11 ) https://www.news.admin.ch/de/newnsb/2VPWG78YrVs4eAVeiklQx
12 ) https://www.bs.ch/regierungsrat/legislaturplan
13 ) https://www.bs.ch/schwerpunkte/digitale-transformation
14 ) https://media.bs.ch/original_file/78c495f8375139cbeda9363448d45a29470639dc/datenstrategie-basel-stadt-0.pdf
15 ) https://media.bs.ch/original_file/b601676058e9674e5f50584f215c648cd9446148/usb-eignerstrategie-2024-2027.pdf
16 ) https://www.dsa.be.ch/de/start.html?newsID=de43d4f8-e968-4fa5-8880-eb3f1ff533da
17 ) https://www.gr.be.ch/de/start/geschaefte/geschaeftssuche/geschaeftsdetail.html?guid=a9cafd27da34403bb812c82b791fee7b
18 ) https://www.roche.ch/stories/digitale-gesundheit-wie-die-schweiz-den-anschluss-verliert
19 ) https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1386505622001824

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